Religions-Experten als Alibi (25. Mai 2012)
RTL - 25.05.2012, 18:10 | Fir d'lescht aktualiséiert: 25.05.2012, 18:23 | 34 Commentaire(n)

Anders wird es nicht ergehen mit der Expertenkommission für die Frage der Beziehungen zwischen Staat und Religionsgemeinschaften. Es wird diskutiert, hinausgeschoben und schließlich bleibt alles beim Alten. Schon die Wahl der Experten lässt viele Fragen offen: Nach welchen Kriterien wurden sie ausgesucht? Wie viel kostet das Ganze, da man doch so viel sparen will? Warum müssen ausländische Experten über unsere Zukunft entscheiden? Sind sie wirklich besser befugt die Fragestellung zu beantworten, als Personen die sich Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigen?
Zu undurchsichtig ist die ganze Vorgehensweise, als dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, hier wird dem Bürger Sand in die Augen gestreut.
Die Aussagen des Generalvikars Erny Gillen zeugen zur Genüge, dass bei den Zusammenkünften mit der Kirche die essentiellen Fragen ausgeklammert wurden. Wie sich die Kirche entwickelt hat, wurde in vielen Beträgen zur Genüge belegt, es gilt daraus die notwendigen Folgen zu ziehen, d.h. bei schrumpfender Zahl der Gläubigen müssen auch die Ausgaben sinken. Wohl kaum wurden peinliche Themen angegangen: Pädophilieskandale, die Berechtigung des Religionsunterrichts, die Nichtratifizierung der Menschenrechte, die Nichtbeachtung der Frauenrechte, Homophobie, die Haltung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen usw. Nicht zuletzt müsste auch der Inhalt der Bibel, welcher in manchen Texten zu Gewalt aufruft, kritisch hinterfragt werden. Das Ganze war wohl eher eine Märchenstunde ohne konkrete Ergebnisse, mit allerdings unnötigen Ausgaben!
„Es wurde sachlich und nicht politisch oder polemisch diskutiert“, freut sich Erny Gillen. Die Beziehungen Staat/Kirchen sind nun aber einmal eine höchst brisante politische Frage, da die Ausgaben von allen Bürgern bezahlt werden und somit auch politisch offen diskutiert werden müssen. „Es wurden keine Sachen in Frage gestellt“ heißt es weiter, im Klartext, es bleibt alles wie es ist und das ganze Theater ist nur ein Alibi, um vorzugeben, man hätte etwas unternommen in der kritischen Frage der Kirchenfinanzierung.
Was die Gespräche mit den laizistischen Vereinigungen noch bringen sollen, bleibt fraglich. Man wird schön geduldig zuhören, mit dem Kopf nicken und dann zu dem Ergebnis kommen, dass es keinen wesentlichen Handlungsbedarf gibt. Die Kirche hat eingangs sofort zu verstehen gegeben, dass sie mit einer wirklichen Trennung nach französischen Modell nicht einverstanden ist. Das belgische Modell mit den „maisons de laïcité“ wird die Position der Kirche nur festigen. Die schlimmste Befürchtung ist das deutsche Modell mit einer Kirchensteuer oder einer anderen Abgabe, weil das Risiko besteht, dass die Kirche zweimal Zuwendungen erhält, einmal durch die Konventionen und dazu noch durch die Kirchensteuer, so wie es in Deutschland der Fall ist. Diese Tatsache wird von vielen Befürwortern der Kirchensteuer verkannt. Außerdem würde es Probleme geben bei der Erhebung dieser Steuer, da persönliche Daten zur Religionszugehörigkeit nicht erfasst werden dürfen. Leider gibt es auch bei politischen Parteien Anhänger dieser Lösung.
Fazit, wenn die Kirche sich zufrieden gibt mit den Gesprächen, ist anzunehmen, dass außer Spesen nichts gewesen ist.


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