Loreen gewinnt für Schweden den Eurovision Song Contest
AFP - 27.05.2012, 15:51 | Fir d'lescht aktualiséiert: 01.06.2012, 00:05

Favoritin Loreen aus Schweden hat den Eurovision Song Contest 2012 gewonnen - aber der Deutsche Roman Lob hat sich als Achter hervorragend behauptet: Mit der erwarteten Siegerin ist der ESC in Aserbaidschans Hauptstadt Baku zu Ende gegangen. Moderatorin Anke Engelke schickte bei der Punktevergabe eine klare Botschaft an die umstrittene Regierung in Baku: "Europe is watching you", sagte Engelke.

Aserbaidschan wurde nach dem Sieg des Duos Ell und Nikki im vergangenen Jahr in Düsseldorf Gastgeber. Weil Präsident Ilham Alijew Verletzungen der Menschenrechte auf Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit vorgeworfen werden, stand der 57. ESC wie selten ein Wettbewerb zuvor unter Beobachtung von Menschenrechtsgruppen. Bei Demonstrationen in Baku waren in den Tagen vor dem Finale dutzende Oppositionelle festgenommen worden.

In der nach Schätzungen von etwa 120 Millionen Zuschauern in ganz Europa am Fernseher verfolgten glanzvollen Final-Show blieb die Politik außen vor. Die Ausnahme bildete dabei Anke Engelke, die die Punktevergabe Deutschlands verlas. Engelke tat dies auf Englisch, auf Deutsch übersetzt sagte sie: "Heute Abend konnte niemand für sein eigenes Land abstimmen. Aber es ist gut, wählen zu können. Und es ist gut, eine Wahl zu haben. Viel Glück auf Deiner Reise, Aserbaidschan. Europa beobachtet Dich."

Wie in den meisten der an der Abstimmung teilnehmenden 42 Länder war auch in Deutschland Loreen die beliebteste Kandidatin. Die Schwedin mit den marokkanischen Wurzeln trug ihr Lied "Euphoria" als teils wilden Tanz mit mystischen Klängen vor - und stieß damit auf breite positive Resonanz. Mit 372 Punkten holte Loreen den zweithöchsten Punktestand in der Geschichte des Wettbewerbs, besser war nur 2009 der Norweger Alexander Rybak mit "Fairytale".

Für Schweden war es bereits der fünfte Sieg, das Land wird nun am 18. Mai 2013 das nächste Finale austragen. Loreen galt im Vorfeld bei Buchmachern und Fanclubs als eindeutige Favoritin unter den 26 Finalisten. Auf den zweiten Platz kamen die im Vorfeld ebenfalls hoch gehandelten sechs Großmütter Buranowski Babuschki aus Russland mit ihrer "Party for Everybody". Auf Rang drei landete der Serbe Zeljko Joksimovic.

Lob, der das Lied "Standing still" sang, lag in der Abstimmung zunächst weit zurück, konnte sich aber mit zunehmender Dauer mit am Ende 110 Punkten bis auf den achten Platz nach vorne schieben. Damit war er besser als Lena im vergangenen Jahr beim Versuch ihrer Titelverteidigung, der mit Platz zehn endete. Außer Lena mit ihrem Sieg in Oslo war in der jüngeren deutschen ESC-Geschichte nur Stefan Raab mit seinem fünften Platz im Jahr 2000 besser platziert.

In der ARD zeigte sich Lob sehr zufrieden mit seinem Abschneiden. "Top Ten ist super", sagte der 21-Jährige. "Es war so eine geile Zeit hier." Der deutsche Jury-Präsident, der Rapper Thomas D, sagte in der ARD zum deutschen Ergebnis: "Wir sind glücklich". Dabei verwies er darauf, dass Deutschland etwa Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien hinter sich lassen konnte und damit hinter Schweden das zweitbeste westeuropäische Land war.
Von den Einschaltquoten in Deutschland her war das ESC-Finale allerdings eine große Enttäuschung: Gegenüber den zwei Auftritten von Lena in den vergangenen zwei Jahren brach die Zuschauerzahl um mehr als 5,5 Millionen ein, nur 8,29 Millionen Deutsche wollten das Finale aus Baku sehen.
