Fall von vor 33 Jahren verschwundenem Kind aufgeklärt

AFP - 25.05.2012, 17:40 | Fir d'lescht aktualiséiert: 26.05.2012, 00:02

Ermittlungen am Tatort© AFPAuteur: AFP

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem mysteriösen Verschwinden des sechsjährigen Etan Patz aus New York ist der Fall aufgeklärt. Ein 51-jähriger Mann gestand nach Polizeiangaben, den Jungen erdrosselt zu haben, und sollte am Freitag erstmals vor Gericht erscheinen. Der Fall hatte 1979 für großes Aufsehen gesorgt, weil der kleine Etan auf seinem ersten unbegleiteten Gang zum Schulbus spurlos verschwand.

Pedro H. habe den damals Sechsjährigen an einer Bushaltestelle angesprochen und ihm eine Limonade versprochen, teilte der Polizeichef der US-Metropole, Raymond Kelly, mit. Dann habe der damals 19-Jährige den Jungen in den Keller eines Ladens im Stadtteil Manhattan gelockt, in dem er arbeitete. Dort habe Pedro H. das Kind erdrosselt und die Leiche in einem Plastiksack in den Müll geworfen.

Der mutmaßliche Täter und arbeitete laut einem Bericht der "New York Times" unweit der damaligen Wohnung von Etans Familie im New Yorker Viertel Soho. Kurz nach dem Verschwinden des Jungen sei der Verdächtige in den Nachbarstaat New Jersey gezogen.

Das Motiv war zunächst unklar. Der aus Puerto Rico stammende Täter, Vater einer Tochter im Teenageralter, sei nicht vorbestraft, sagte Kelly. Er habe Verwandten und Freunden einige Jahre nach der Tat gestanden, ein Kind getötet zu haben.

Laut Kelly führte Pedro H. nach seinem Geständnis die Polizei in der Nacht zum Donnerstag an den Tatort, in dem sich mittlerweile ein Brillengeschäft befindet. Die Eltern Etans, die noch heute in derselben Wohnung in Soho wohnen, seien von der Polizei informiert worden. Kelly bezeichnete es als "sehr unwahrscheinlich", dass Teile der Leiche jemals gefunden würden.

Für Freitag war eine Anhörung vor einem Gericht in Manhattan angesetzt. US-Medien zufolge könnte die Staatsanwaltschaft H. dann wegen Totschlags in besonders schwerem Fall anklagen. Vor der Anhörung wurde der Verdächtige in ein Krankenhaus eingeliefert, dort wurde er nach Polizeiangaben wegen einer "Vorerkrankung" untersucht. Eine Polizeisprecherin wies Medienberichte zurück, wonach Selbstmordgefahr bestehe.

Der kleine Etan war am 25. Mai 1979 auf seinem Weg zu der nur 100 Meter von der elterlichen Wohnung entfernten Haltestelle verschwunden. Mit großer Anteilnahme verfolgten die Menschen in den USA und anderen Ländern damals die Suche nach dem Jungen. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan erklärte 1983 den 25. Mai zum nationalen Gedenktag für verschwundene Kinder. 2001 erklärte ein Richter in New York Etan schließlich für tot.

Im April hatte die New Yorker Polizei überraschend neue Ermittlungen in dem Fall aufgenommen. Sie stellte jedoch die Suche nach Knochen oder anderen Spuren in einem Keller in Soho wieder ein, ohne dass etwas über etwaige neue Erkenntnisse bekannt wurde.