Oft vergessen: die soziale Nachhaltigkeit

RTL - 30.04.2010, 10:37 | Fir d'lescht aktualiséiert: 30.04.2010, 11:15 | 0 Commentaire(n)

Häufig wird beim Thema Nachhaltigkeit der ökologische Aspekt in den Vordergrund gerückt, während die sozialen und ökonomischen Komponenten vergessen werden

Doch woran liegt das? Zum einen stammt der Begriff „Nachhaltigkeit“ ursprünglich aus der Forstwirtschaft, die darunter versteht, nur so viel Holz zu ernten wie nachwächst und dabei auf die Erhaltung der natürlichen Ökosysteme und ihrer Prozesse zu achten. Mit Nachhaltigkeit werden in diesem Zusammenhang also vordergründig ökologische Absichten verbunden, auch wenn nachhaltige Bewirtschaftung langfristig sicherlich auch soziale und ökonomische Vorteile bringt. Ein weiterer Aspekt ist der, dass wir als Bewohner eines hochentwickelten Industrielandes mit der allgemeinen Erklärung von Nachhaltigkeit als „Bestreben, die Bedürfnisse der Gegenwart zu befriedigen ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre Bedürfnisse nicht mehr befriedigen können“, in der Regel allein die angemessene Nutzung von für uns endlichen Ressourcen verbinden. Denn unsere sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse sind in der Regel weitgehend befriedigt, eine zukünftige Ölknappheit bereitet hingegen der Mehrheit der Bevölkerung Kopfschmerzen. Zudem stehen umweltpolitische Themen seit langem im Fokus der Öffentlichkeit und die Sensibilisierung für die Bedürfnisse der Natur ist, im Gegensatz zur Sensibilisierung für die Probleme in Drittweltländern, bereits weit fortgeschritten.

Eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Umweltkonferenz in Rio 1992, ist allerdings nur möglich, wenn auch bei Entscheidungen in Industrieländern, mögliche soziale und ökonomische Folgen für Drittweltländer beachtet und negative Auswirkungen vermieden werden. Denn das Nachhaltigkeitsprinzip der Vereinten Nationen fordert nicht nur dazu auf, an kommende Generationen zu denken, sondern auch der heutigen Bevölkerung von Drittwelt- und Schwellenländern die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen.

Doch auch bei uns darf der soziale Aspekt nicht in Vergessenheit geraten. Auch wenn es sich nicht um lebenswichtige oder für die Menschenwürde unerlässliche Maßnahmen handelt, sind in der Agenda 21 Vorgaben festgeschrieben, die bei öffentlichen Projekten die Beachtung sozialer Komponenten vorsehen. So sind beispielsweise bei Entscheidungsprozessen betroffene Bevölkerungsteile mit ein zu beziehen. Dies garantiert, dass soziale Aspekte direkt von Betroffenen eingebracht werden können, was zum einen die Akzeptanz von Projekten fördert und sich dadurch in der Regel auch ökonomisch positiv auswirkt.

Prinzipiell gilt es also, bei allen der nachhaltigen Entwicklung dienenden Projekten und Entscheidungen, die sozialen und ökonomischen Aspekte sowohl für die heimische als auch für die Bevölkerung weltweit, gleichberechtigt zur ökologischen Komponente zu berücksichtigen.

Und auch jeder einzelne kann etwas für eine umfassend nachhaltige Entwicklung tun. Denn wer sich für Produkte entscheidet, die aus fairem Handel stammen, unterstützt die Produzenten in Drittweltländern nicht nur finanziell, sondern trägt auch zu einer langfristig günstigen Entwicklung der jeweiligen Anbauregion bei. Die von den Produzenten selbst erarbeitete Sicherung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Existenz bewirkt ein langfristig stabiles System, in dem nach und nach auch ökologische Werte ihren Platz finden und in die Arbeit einbezogen werden.

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