Donneschdeg, 02. September 2010

Lieserbréiwer

Zur Revision der Tierversuchs-Richtlinie 86/609/EWG

RTL - 10.11.2009, 22:14 - Fir d'lescht aktualiséiert: 10.11.2009, 22:19

Auteur: John Trezzi, Mitglied der ALPA

Offener Brief an die luxemburgischen EU-Parlamentarier!

Sehr geehrte Frau Abgeordnete,
Sehr geehrte Herren Abgeordnete,

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union werden pro Jahr mehr als 12 Millionen Tiere in Tierversuchen verwendet. Die Richtlinie 86/609/EWG des Rates vom 24. November 1986 zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere regelt Tierversuche in der EU und legt Mindeststandards fest, die in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Diese Richtlinie ist über 20 Jahre alt und muss dringend aktualisiert werden, um Tiere in Laboren besser schützen zu können und einen endgültigen Ersatz für die Tiere durch fortschrittlichere und humanere Alternativen zu erreichen und so den Weg frei zu machen für eine moderne, tierversuchsfreie Wissenschaft des 21. Jahrhunderts.

Im November 2008 hatte die EU-Kommission ihren Novellierungsentwurf vorgelegt um die europäische Richtlinie 86/609/EWG zu aktualisieren. Dieser enthielt zwar einige positive Maßnahmen, die bei Einhaltung zu bedeutenden Verbesserungen geführt hätten. Am 5. Mai 2009 hatte das EU-Parlament diesen Kommissionsentwurf einer neuen Tierversuchs-Richtlinie in erster Lesung abgestimmt.

Erschreckend für die Tierschützer: Bei der Abstimmung über die Neufassung hatte die Mehrheit der Volksvertreter deutliche Verschlechterungen beschlossen wie z.B. eine Fortsetzung der Versuche an Primaten – auch bei Versuchen ohne direkte Relevanz für die menschliche Gesundheit. Zudem dürfen Tiere weiterhin mehrmals für Experimente benutzt werden. Eine strenge ethische Überprüfung von Tierversuchen findet nicht statt usw. ...

Trauriges Fazit: Das Lobbying der Tierversuchsindustrie war erfolgreich. Die EU-Abgeordneten hatten die Gelegenheit verpasst um besseren Schutz für die Labortiere und alternative medizinische Forschungsmethoden ohne Tierleid zu schaffen. Sie hatten sich leider zu Handlangern der milliardenschweren Tierversuchsindustrie gemacht, die bei schärferen Regelungen das Ende der medizinischen Forschung prophezeiten. Die wenigen Verbesserungen des ursprünglichen Entwurfs wurden - trotz intensivster Bemühungen der Tierschutzseite -  vom Parlament entweder abgeschwächt oder gar gestrichen.

Voraussichtlich Ende des Jahres wird der Ministerrat über den Entwurf abstimmen und das Votum des EU-Parlaments ist erneut in zweiter Lesung gefragt. Zurzeit laufen die Beratungen in den verschiedenen Ebenen des EU-Parlaments, des Ministerrats und der Kommission. Deshalb wende ich mich an Sie als die Vertreter Luxemburgs im EU-Parlament. Der aktuelle Entwurf muss zumindest in einigen Punkten nachgebessert werden. Bei diesen Punkten handelt es sich hauptsächlich um:

- Verbot aller Versuche an Affen,
- Genehmigungsverfahren für alle Versuche,
- rückwirkende Bewertung aller Versuche,
- öffentliches Zugänglichmachen aller Versuche,
- drastische Verstärkung der Entwicklung tierversuchsfreier Verfahren
- Verbot von Experimenten, die mit besonders schweren Schmerzen und Leiden für die Tiere einhergehen.

Ich bitte Sie mit allem Nachdruck, sich bei den weiteren Beratungen und Abstimmungen zugunsten der Tiere und einer modernen leistungsstarken Wissenschaft einzusetzen. Im Übrigen erwarte ich, dass Sie die Ergebnisse der Befragung der EU-Bürger aus dem Jahr 2006, die anlässlich der Überarbeitung der EU-Tierversuchs-Richtlinie durchgeführt wurde, in Ihrem Abstimmungsverhalten berücksichtigen. In dieser Umfrage, an der sich 43.000 Bürger aus 25 Ländern beteiligten, erhielt der Tierversuch eine klare Absage. Ebenfalls hatten bis Ende Oktober 2009 mehr als 65.000 Europäer für ein Ende von Tierversuchen im EU-Parlament online protestiert. (Online-Petition "Make Animal Testing History".)

Die neue Richtlinie wird in den nächsten Jahrzehnten über Leben und Tod von Millionen Tiere in ganz Europa entscheiden. Jetzt besteht die letzte Chance, Verschlechterungen rückgängig zu machen und wesentliche Verbesserungen für die Tiere einzubringen.

09.11.2009

Mit freundlichen Grüßen



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